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ellenwoods · Neuheiten Herbst 2026 · Caran d’Ache

Caran d’Ache Varius Lights – Wenn Metall plötzlich zu leuchten beginnt

Neuheiten Herbst 2026 – ein persönlicher Blick von ellenwoods

Varius gehört zu jenen Schreibgeräten, die Caran d’Ache nicht jedes Jahr neu erfinden muss. Die Grundform steht, die Proportionen sind vertraut, der Clip sitzt dort, wo er hingehört, und auch technisch gibt es keinen Anlass, aus einem sehr guten Füllhalter plötzlich ein anderes Gerät zu machen. Interessant wird der Varius deshalb immer dort, wo Caran d’Ache an seinem eigentlichen Spezialgebiet arbeitet: an Material und Oberfläche. Beim neuen Varius Lights wird genau daraus die ganze Geschichte.

Der Schaft besteht aus versilbertem und palladiumbeschichtetem Messing und trägt ein Guilloché, das Caran d’Ache „Diamant-Baguette“ nennt. Die Bezeichnung klingt zunächst nach Schmuckabteilung, beschreibt aber ziemlich genau, was passiert. Die fein geschnittenen Flächen brechen das Licht in unterschiedliche Richtungen; dreht man den Füllhalter nur wenige Grad, verschwindet eine Linie, eine andere tritt hervor, Silber wird für einen Moment fast weiß und kippt gleich darauf wieder in ein kühles Grau. Der Varius Lights besitzt dadurch keine wirklich feste Ansicht. Er sieht auf dem Schreibtisch anders aus als am Fenster und in der Hand wieder anders als in der Vitrine.

Das ist mehr als ein dekorativer Effekt. Caran d’Ache macht hier etwas sichtbar, was bei Schweizer Produkten häufig das eigentliche Thema ist und sich doch erstaunlich schlecht fotografieren lässt: Präzision. Ein sauber gearbeitetes Gewinde kann man auf einem Pressebild kaum würdigen, eine exakt polierte Kante ebenso wenig. Beim Lights wird die Bearbeitung selbst zur Erscheinung. Man sieht nicht unbedingt, wie viel Arbeit in der Oberfläche steckt, aber man sieht ihr Ergebnis bei jeder Bewegung.

Dass Caran d’Ache dabei auf die Welt der Schweizer Uhrmacherei verweist, liegt nahe und ist ausnahmsweise kein beliebig aufgeklebt wirkender Vergleich. Guillochierte Metallflächen gehören dort seit Jahrhunderten zum gestalterischen Repertoire. Auch beim Varius Lights finden sich Details, die an diese Nachbarschaft erinnern. Die fein bearbeiteten Metallpartien wirken fast wie eine überdimensionierte Uhrenkrone; auf der Kappe sitzt ein Cabochon aus marmoriertem schwarzem Onyx. Dieser kleine dunkle Stein ist wichtiger, als man zunächst denkt. Ohne ihn bestünde die Gefahr, dass das viele Silber zu gefällig wird. Der Onyx setzt einen ruhigen Gegenpunkt und gibt dem Schreibgerät jene Strenge zurück, die ein Varius braucht.

Technisch bleibt Caran d’Ache erfreulich zurückhaltend. Die Feder besteht aus rhodiniertem 18-karätigem Gold, wird von Hand poliert und ist in EF, F, M und B erhältlich. Schaft und Schraubkappe bestehen aus Metall, entsprechend liegt der Füllhalter mit seinen rund 61 Gramm deutlich spürbar in der Hand. Befüllt wird über Patronen oder Konverter. Von der Edition entstehen lediglich 100 Exemplare. Der Preis von 2.200 Euro macht spätestens klar, dass wir hier nicht über die vernünftigste Möglichkeit sprechen, Tinte aufs Papier zu bringen.

Das wäre allerdings auch eine reichlich langweilige Art, einen solchen Füllhalter zu beurteilen. Wer nur eine ausgezeichnete Goldfeder sucht, findet sie wesentlich günstiger. Beim Varius Lights bezahlt man einen großen Teil des Aufwands für etwas, das technisch gar nicht notwendig wäre: dafür, dass Metall so präzise bearbeitet wird, dass Licht plötzlich zum Gestaltungselement wird.

Vielleicht ist gerade das ein interessantes Gegenmodell zu vielen anderen Neuheiten des Jahres. Sailor nimmt Holz und fragt nach seiner Herkunft. Pilot übersetzt einen flüchtigen Moment am Horizont in Farbe. Visconti öffnet den Füllhalter und macht seine Mechanik sichtbar. Caran d’Ache geht keinen Millimeter ins Innere. Die Schweizer bleiben an der Oberfläche – nur dass diese Oberfläche plötzlich erstaunlich viel zu erzählen hat.

Und Oberfläche ist bei einem Schreibgerät ohnehin weniger oberflächlich, als das Wort vermuten lässt. Wir haben sie ständig in der Hand. Sie entscheidet über Temperatur, Gewicht, Griff und über jenen ersten Eindruck, der sich kaum rational erklären lässt. Beim Varius Lights kommt noch etwas hinzu: Der Füllhalter reagiert auf seine Umgebung. Auf warmes Abendlicht anders als auf die nüchterne Beleuchtung eines Büros, auf Bewegung anders als auf Ruhe.

Im Geschäft dürfte deshalb eine einfache Demonstration genügen. Man muss den Varius Lights nicht mit langen technischen Erläuterungen ankündigen. Man nimmt ihn in die Hand und dreht ihn langsam einmal im Licht.

Dann passiert das Entscheidende.

Die Oberfläche beginnt sich zu verändern.

Und plötzlich versteht man auch den Namen.

ellenwoods Schreibkultur aus München