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Der Abend an dem die Göttliche verstummte

Der Abend, an dem die Göttliche verstummte

Rom, 2. Januar 1958. In der Oper der Hauptstadt singt Maria Callas Bellinis Norma. Im Publikum sitzt Italiens Staatspräsident Giovanni Gronchi mit seiner Frau. Die römische Gesellschaft ist erschienen, nicht nur um eine Aufführung zu hören, sondern um ein Ereignis zu bezeugen. Wenn Callas auftritt, geht es längst nicht mehr allein um Musik. Es geht um Erwartung, Rang, Gerücht und jenen gefährlichen Moment, in dem Kunst zur öffentlichen Prüfung wird.

Callas ist damals fünfunddreißig Jahre alt und auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Die Scala verehrt sie, London feiert sie, New York diskutiert sie. Für die einen ist sie die größte Sopranistin ihrer Zeit, für die anderen eine schwierige Diva. Gleichgültigkeit gibt es nicht. Schon vor Beginn des Abends ist sie angeschlagen. Sie hat Erkältungssymptome, fühlt sich nicht in der Lage, eine Partie wie Norma sicher durchzustehen. Doch eine Absage vor dem Staatspräsidenten, vor einem ausverkauften Haus, vor Rom? Sie tritt auf. Sie singt den ersten Akt. Dann geht sie ab. Nach der Pause bleibt der Vorhang geschlossen.

Die Stadt reagiert

Die Direktion teilt mit, die Sängerin sei krank und könne die Aufführung nicht fortsetzen. Im Saal kippt die Stimmung. Aus Verwunderung wird Unruhe, aus Unruhe Empörung. Es wird gepfiffen, gerufen, protestiert. Manche Zuschauer fühlen sich betrogen, andere verteidigen sie. Die Römer erleben den Abbruch nicht als medizinischen Zwischenfall, sondern als Affront. Oper ist in Italien keine bloße Abendunterhaltung, sondern öffentlicher Ernstfall mit Musik. Zumal an diesem Abend der Präsident im Haus sitzt.

Die Zeitungen greifen den Vorfall sofort auf. Aus einer kranken Sängerin wird eine nationale Angelegenheit. War Callas wirklich krank? Oder hatte sie Rom brüskiert? Hatte sie den Präsidenten beleidigt? Hatte die Diva wieder einmal ihre Launen über die Pflicht gestellt? Die Presse liebt diese Lesart, weil sie alles enthält: Ruhm, Macht, Krankheit, Stolz, Skandal. Das amerikanische Magazin Time spricht später von einer „Diva in Disgrace“, einer Diva in Ungnade. In Italien wird der Fall Callas zum Gesprächsthema in Cafés, Redaktionen und Salons. Rom fühlt sich nicht nur enttäuscht. Rom fühlt sich herausgefordert.

Die Geburt der modernen Diva

Im Rückblick wirkt dieser Abend erstaunlich gegenwärtig. Maria Callas erlebt 1958 bereits, was heute jeder Star kennt: Die Öffentlichkeit will nicht nur die Kunst, sie will die Person besitzen. Sie will beurteilen, ob ein Abbruch Krankheit oder Charakter ist. Sie will aus Erschöpfung eine Haltung machen. Callas wird nicht mehr nur als Sängerin verhandelt, sondern als Figur. Genau darin beginnt ihre Modernität.

Denn die Legende von der launischen Diva verdeckt die eigentliche Wahrheit. Vieles spricht dafür, dass Callas tatsächlich krank war. Doch die Öffentlichkeit glaubt ihr nur halb, weil sie längst zu groß geworden ist für gewöhnliche Erklärungen. Wer „La Divina“ genannt wird, darf offenbar nicht heiser sein. Das Publikum verzeiht Göttern keine Schwäche.

Dabei hatte Callas die Oper gerade dadurch verändert, dass sie Schwäche, Schmerz und Risiko auf die Bühne brachte. Ihre Norma, ihre Tosca, ihre Violetta waren keine vokalen Schaustücke, sondern Frauen im Ausnahmezustand. Sie sang nicht, um schön zu klingen. Sie sang, um wahr zu sein. Der Preis war hoch. An jenem Abend in Rom wurde sichtbar, wie hoch.

Maria Callas trat nie wieder in der Oper von Rom auf. Der Skandal blieb. Der Mythos auch. Vielleicht wurde er sogar stärker. Große Karrieren leben von Triumphen. Große Legenden entstehen aus Brüchen. An diesem Abend verstummte die Göttliche — und wurde endgültig unsterblich.

Feder

Als Hommage an den Spitznamen und das ikonische Aussehen der Operndiva ist die rhodinierte Feder aus massivem 585er Gold mit der Inschrift „La Divina“ sowie einer Illustration ihrer berühmten Katzenaugen versehen.

Clip

Callas’ Liebe zu Blumen diente als Inspiration für den Clip und den wie die zarten Blütenblätter einer Rose geformten Clipstein dieser Edition.

Konus

Der Konus wird von Maria Callas’ Unterschrift sowie einem Blattmuster geziert, das an ihre großartige Darbietung der Druidenpriesterin in Vincenzo Bellinis „Norma“ erinnert.