Seite wählen

Bruce Lee tanzte Cha-Cha – und das erklärt einiges

Dass Bruce Lee kämpfen konnte, muss man niemandem erklären. Dass er tanzen konnte, dagegen schon. 1958 wurde der damals siebzehnjährige Lee in Hongkong Cha-Cha-Champion. Eine Information, die zunächst ungefähr so glaubwürdig klingt wie die Nachricht, Franz Kafka sei nebenberuflich Animateur in einem Ferienclub gewesen. Bei Bruce Lee fügt sie sich allerdings erstaunlich gut ins Bild.

Denn wer seine Filmszenen heute betrachtet, sieht eben nicht nur Kraft. Man sieht Rhythmus. Unterbrechung. Beschleunigung. Gewichtsverlagerung. Nähe und Distanz. Lee bewegte sich nicht wie jemand, der möglichst oft möglichst schnell zuschlagen wollte. Er wusste, wann er sich bewegen musste – und vor allem, wann nicht.

Das unterscheidet den guten Kämpfer vom Schläger und den guten Tänzer vom Gast einer Weihnachtsfeier.

Lees Bewegungen waren deshalb immer auch Inszenierung. Er wusste um die Wirkung einer Pause, eines Blicks, einer scheinbaren Ruhe. Und er verstand, dass Eleganz selten entsteht, wenn man alles zeigt, was man kann.

Eine interessante Erkenntnis – gerade im Zusammenhang mit Luxusprodukten.

Denn Luxusmarken haben gelegentlich die Neigung, auf sehr kleinem Raum sämtliche Ideen ihrer Designabteilung unterzubringen. Ein Jubiläum hier, ein Symbol dort, eine Gravur, noch eine Gravur und für den Fall, dass jemand die Botschaft immer noch nicht verstanden hat, am besten noch eine Limited Edition aus Edelmetall.

Montblanc bewegt sich bei der neuen Bruce-Lee-Serie durchaus in dieser Gefahrenzone.

Und rettet sich mit erstaunlicher Eleganz.

Schon die Special Edition ist offensiv: schwarze und gelbe Edelharzflächen, Drache, Nunchaku-Clip, Bambus-Kappenring, Hornisse am rutheniumbeschichteten Konus und beim Füllfederhalter die dunkle Goldfeder mit Yin und Yang. Zurückhaltung sieht anders aus. Aber Bruce Lee sah schließlich ebenfalls selten aus, als wolle er nicht auffallen.

Noch interessanter wird es bei der Limited Edition 1940.

Die Zahl ist selbstverständlich kein Marketingzufall, sondern Lees Geburtsjahr. Montblanc verlässt hier das sportliche Schwarz-Gelb der Special Edition und geht in Richtung Film, Regie und Hollywood. Kappe und Korpus bestehen aus Metall, sind goldbeschichtet und mit gelben sowie schwarzen Lackelementen versehen. Darüber läuft ein fragmentiertes Drachenmotiv, das auf eine Zeichnung Lees zurückgeht und zugleich an die berühmte Spiegelszene seines Films von 1973 erinnert. Der mattgoldene Konus trägt ein Muster, das den Einstellring einer Filmkamera zitiert. Montblanc widmet diese Edition ausdrücklich Bruce Lee als Regisseur und Schauspieler.

Das klingt beschrieben zunächst nach ziemlich viel Bruce Lee pro Quadratzentimeter.

In der Hand wirkt die Idee allerdings schlüssiger. Der 1940er ist kein schlankes Understatement. Der Rollerball wiegt knapp 95 Gramm. Das ist ein Schreibgerät, dessen Anwesenheit man bemerkt, bevor man den ersten Satz geschrieben hat. Die goldenen Flächen nehmen ihm die Sportlichkeit der Special Edition und geben ihm etwas beinahe Bühnenhaftes. Wer die schlichte schwarze Linie des klassischen Meisterstücks für den Gipfel hanseatischer Zurückhaltung hält, wird hier möglicherweise nervös.

Aber auch das hat einen gewissen Charme. Bruce Lee war kein Bauhaus-Architekt.

Er war Kino. Gelb, Schwarz und Gold passen zu diesem Kino erstaunlich gut.

Der Clip bleibt auch hier das stilisierte Nunchaku, der Ring erinnert wieder an Bambus. Das Montblanc-Emblem erhält bei dieser Edition zudem eine Einlage aus Perlmutt mit dem chinesischen Zeichen für Drache. Man könnte über so viele Zitate spotten. Man könnte aber auch sagen: Montblanc hat verstanden, dass eine Hommage an Bruce Lee nicht aussehen darf wie der Füller eines Hamburger Notars.

Der Rollerball der Limited Edition 1940 kostet 4.600 Euro, der Füllfederhalter 4.900 Euro. Damit verlässt das Schreibgerät endgültig die Abteilung „vernünftige Anschaffung“. Das macht es paradoxerweise leichter zu beurteilen. Niemand muss hier noch einen Nutzwert konstruieren. Man kauft ein Objekt, eine Geschichte, eine begrenzte Stückzahl und etwas, das auf einem Schreibtisch sofort Gesprächsstoff liefert.

Und vielleicht ist genau das die Verbindung zum Tänzer Bruce Lee.

Der wusste schließlich ebenfalls: Wer ohnehin gesehen wird, sollte sich wenigstens gut bewegen.