Great Characters Homage to Bruce Lee Special Edition
Ein Schreibgerät mit ziemlich wenig Interesse an Zurückhaltung
Bruce Lee war vieles, nur nie unauffällig. Das gilt auch für die neue Great Characters Homage to Bruce Lee Special Edition von Montblanc. Schwarz und Gelb bestimmen den ersten Eindruck, und wer dabei nicht sofort an den berühmten Trainingsanzug aus *Game of Death* denkt, hat die siebziger Jahre entweder verpasst oder erfolgreich verdrängt. Montblanc macht aus dieser Assoziation kein Geheimnis. Die gelbe Kappe aus Edelharz zitiert den Filmauftritt direkt; feine geometrische Linien in der Oberfläche nehmen den dekorativen Rahmen des Originalplakats zu *Enter the Dragon* auf. Das Schreibgerät versucht also gar nicht erst, neutral zu sein. Es will erkannt werden.
Der schwarze Korpus trägt einen Drachen, der auf eine Zeichnung Bruce Lees zurückgeht. Das Motiv ist biographisch gleich mehrfach belastbar: Lee wurde 1940 im Jahr des Drachen geboren, auch seine Geburtsstunde wird dem Drachen zugeordnet, und „Little Dragon“ gehörte zu seinen Beinamen. Montblanc setzt das Motiv daher nicht nur auf den Korpus, sondern noch einmal subtiler in das weiße Emblem, das mit dem chinesischen Schriftzeichen für Drache versehen ist. Wer bei Sondereditionen schnell unter Symbolüberlastung leidet, bekommt hier reichlich Gelegenheit dazu. Allerdings sind die Verweise nicht beliebig. Fast jedes Detail lässt sich auf eine konkrete Episode oder Eigenheit aus Lees Leben zurückführen.
Besonders gelungen ist der Clip. Er ist einem Stab des Nunchaku nachempfunden, jenem Gerät, das Bruce Lee filmisch fast so sehr geprägt hat wie sein gelber Anzug. Die Form bleibt dabei brauchbar und kippt nicht ins Souvenirhafte. Der Kappenring erinnert an Bambus, der rutheniumbeschichtete Konus trägt eine kreisende Hornisse. Letztere verweist auf die Fernsehserie *The Green Hornet*, mit der Bruce Lee Mitte der sechziger Jahre einem größeren amerikanischen Publikum bekannt wurde. Solche Details sind das Vergnügen dieser Edition: Man muss sie nicht kennen, aber wenn man sie entdeckt, ergeben sie Sinn.
Beim Füllfederhalter sitzt die vielleicht beste Idee dort, wo sie hingehört: auf der Feder. Sie besteht aus massivem 585er Gold, ist rutheniumbeschichtet und trägt das Yin-und-Yang-Symbol. Das Motiv ist naheliegend, fast schon gefährlich naheliegend, passt aber zu Lees Denken besser als manche martialische Gravur. Sein Verständnis von Kampf beruhte auf Gegensätzen, die zusammengehören: Spannung und Entspannung, Härte und Nachgeben, Geschwindigkeit und Stillstand. Der berühmte Satz vom Wasser, das sich dem Gefäß anpasst, gehört genau in diese Welt.
Erhältlich ist die Special Edition als Füllfederhalter, Rollerball und Kugelschreiber. Der Füllfederhalter kostet derzeit 1.500 Euro, der Rollerball 1.200 Euro, der Kugelschreiber 1.090 Euro. Niemand wird behaupten können, man benötige einen Kugelschreiber für gut tausend Euro, um eine Einkaufsliste zu schreiben. Das ist aber ungefähr so relevant wie die Feststellung, dass eine mechanische Uhr für die Uhrzeit überqualifiziert ist. Luxus beginnt gewöhnlich dort, wo der Nutzwert seine Alleinherrschaft verliert.
Auch physisch sind die Schreibgeräte keine Leichtgewichte. Der Rollerball misst rund 144 Millimeter und wiegt etwas mehr als 55 Gramm, der Kugelschreiber ist mit rund 137 Millimetern etwas kürzer und liegt bei gut 53 Gramm. Der Füllfederhalter bleibt ebenfalls in der stattlichen 144-Millimeter-Klasse. Das passt zum Auftritt. Dies ist kein Instrument, das sich in der Hemdtasche unsichtbar machen möchte. Man merkt, dass man es in der Hand hat, und andere merken es vermutlich ebenfalls.
Von den drei Varianten ist der Füllfederhalter die schlüssigste. Nicht, weil Rollerball und Kugelschreiber schlechter wären, sondern weil Bruce Lee selbst viel schrieb, las, kommentierte und notierte. Seine Philosophie entstand nicht nur in Trainingsräumen oder vor Kameras, sondern auch auf Papier. Die Feder gibt der Hommage deshalb eine Verbindung, die über Filmzitate hinausgeht.
Gestalterisch bewegt sich die Special Edition dicht an der Grenze dessen, was noch elegant ist. Gelbe Kappe, schwarzer Korpus, Drache, Bambus, Nunchaku, Hornisse, chinesisches Schriftzeichen, Filmplakat und Yin und Yang – für einen einzigen Füllfederhalter ist das ein ordentliches Programm. Ein Bauhaus-Anhänger würde vermutlich bereits beim zweiten Symbol um Ruhe bitten. Bei Bruce Lee funktioniert die Fülle jedoch besser, als man erwarten würde. Seine öffentliche Figur war selbst hochgradig visuell: Farben, Bewegung, Körperhaltung, Filmplakate, ikonische Requisiten. Ein streng schwarzer Füller mit kleinem Namenszug wäre geschmackvoll gewesen, aber auch ziemlich langweilig.
Montblanc hat sich stattdessen für das Risiko entschieden. Die Edition ist auffällig, gelegentlich beinahe zu deutlich und gerade deshalb charaktervoll. Sie sieht nicht aus wie ein normales Montblanc-Modell, dem nachträglich ein berühmter Name mitgegeben wurde. Man erkennt den Versuch, Bruce Lees Biographie in Material, Farbe und kleine mechanische Details zu übersetzen.
Das kann man für ausgefeiltes Luxusmarketing halten. Es ist ausgefeiltes Luxusmarketing. Aber es ist gutes.
Und wer sich ohnehin für Bruce Lee interessiert, bekommt hier mehr als einen gelben Füllfederhalter: ein Schreibgerät, an dem fast jedes Detail eine Geschichte hat.