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Mit der neuen Weihnachtskollektion Toile de Jouy – Geneva Edition greift Caran d’Ache ein Gestaltungsmotiv auf, das auf den ersten Blick vertraut wirkt: feine Szenen, erzählerische Linien, eine Oberfläche, die mehr zeigt als bloß Dekor. Doch hinter Toile de Jouy steckt weit mehr als ein historisches Muster.

Die Geschichte führt zurück ins Frankreich des 18. Jahrhunderts – zu Baumwolle und Welthandel, zu Versailles, zu neuen Drucktechniken und zu Christophe-Philippe Oberkampf, einem Unternehmer, der aus einer Textilmanufaktur einen der bedeutendsten Produktionsbetriebe seiner Zeit machte. Toile de Jouy war dabei nie nur Ornament. Die Stoffe erzählten von ihrer Gegenwart, von Mode, Technik, gesellschaftlichem Wandel und vom Wunsch, Alltagsgegenstände mit Bedeutung aufzuladen.Toile de Jouy bedeutet „Stoff aus Jouy“. Der Name geht auf die berühmte Textilmanufaktur von Christophe-Philippe Oberkampf in Jouy-en-Josas bei Versailles zurück. Charakteristisch wurden fein gezeichnete, meist einfarbige Szenen auf hellem Grund – kleine Geschichten, gedruckt auf Stoff.

Genau deshalb lohnt es sich, die neue Caran-d’Ache-Kollektion nicht nur als saisonale Edition zu betrachten. Sie funktioniert am besten, wenn man versteht, auf welche Tradition sie sich bezieht und warum dieses Prinzip bis heute trägt. Caran d’Ache übernimmt nicht einfach ein französisches Dekor, sondern übersetzt die Idee der erzählenden Oberfläche nach Genf und auf moderne Schreib- und Zeicheninstrumente.

In drei Beiträgen erzählen wir deshalb die Geschichte hinter der Kollektion: von der Entstehung der Toile de Jouy, vom ungewöhnlichen Aufstieg Christophe-Philippe Oberkampfs und von der Fabrik, in der aus Stoff schließlich Industrie wurde.

Drei Geschichten, die zeigen, warum diese Weihnachtskollektion mehr ist als ein schönes Geschenk: Sie verbindet Gestaltung, Herkunft und die Idee, dass besondere Gegenstände immer auch etwas erzählen.

Caran d’Ache · Die Geschichte hinter der Kollektion · 01 / 03

Baumwolle, Versailles und die Erfindung der Toile de Jouy

Dass ausgerechnet Baumwolle zum Träger jener Bildwelt wurde, die wir heute mit Toile de Jouy verbinden, ist kein Zufall. Im Europa des 18. Jahrhunderts war Baumwolle ein begehrter, beinahe exotischer Stoff. Bedruckte Baumwollgewebe aus Indien hatten seit dem 17. Jahrhundert einen regelrechten Modeboom ausgelöst. Sie waren leichter als Wolle, pflegeleichter als Seide und vor allem farbiger und lebendiger als vieles, was die europäischen Webereien bis dahin hervorbrachten. Diese sogenannten Indiennes wurden so populär, dass Frankreich ihre Einfuhr und zeitweise sogar ihre Herstellung beschränkte, um die heimische Seiden- und Wollindustrie zu schützen.

Mit der Lockerung dieser Verbote begann jedoch ein neues Kapitel. 1760 gründete der aus einer protestantischen Familie stammende Unternehmer Christophe-Philippe Oberkampf in Jouy-en-Josas südwestlich von Paris eine Textildruckerei. Der Ort lag nur wenige Kilometer von Versailles entfernt. Das war geographisch günstig und kulturell von kaum zu überschätzender Bedeutung. Versailles war zu dieser Zeit nicht nur politisches Zentrum des französischen Königreichs, sondern auch eine der wichtigsten Geschmacksmaschinen Europas. Was dort an Stoffen, Möbeln, Farben und Ornamenten Verwendung fand, konnte binnen kurzer Zeit zum Vorbild einer ganzen Epoche werden.

Oberkampf verstand früh, dass Baumwolle mehr sein konnte als ein bedruckter Stoff. Mit Hilfe gravierter Kupferplatten entstanden zunehmend feinere, erzählerische Motive. Landschaften, Schäferszenen, Jagden, Liebespaare, Allegorien, technische Neuerungen oder historische Ereignisse wurden auf hellem Grund in Rot, Blau, Violett oder Schwarz gedruckt. Die Stoffbahn wurde damit zu einer Art Bilderzählung. Man könnte sagen: zu einem Vorläufer des illustrierten Lifestyle-Produkts.

Dass diese Stoffe in der Nähe von Versailles entstanden, gab ihnen zusätzlichen Glanz. Die Welt des Hofes verlangte nach Neuheit, Raffinement und Distinktion. Zugleich begann sich der Geschmack gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu verändern. Neben dem überladenen Rokoko gewann eine zurückhaltendere, klassizistische Ästhetik an Bedeutung. Toile de Jouy traf genau diese Zwischenlage: dekorativ, aber nicht schwer; erzählerisch, aber geordnet; modisch, aber mit dem Anschein von Kultur und Bildung.

Die Baumwolle spielte dabei eine Schlüsselrolle. Sie erlaubte eine Präzision des Drucks, die bei schwereren Stoffen kaum möglich gewesen wäre, und machte die Motive zugleich alltagstauglich. Toile de Jouy fand sich deshalb nicht nur an Wänden und Vorhängen, sondern auch auf Kleidern, Polstern, Bettwäsche und später auf zahllosen Gegenständen des täglichen Lebens.

Gerade diese Verbindung aus Gebrauchswert und Erzählung macht den Reiz bis heute aus. Ein Stück Baumwolle wurde zur Projektionsfläche einer ganzen Welt. Und genau deshalb funktioniert das Motiv noch immer: weil es nie nur Ornament war, sondern immer auch eine kleine Geschichte über Geschmack, Herkunft und Zeitgeist.

Caran d’Ache · Die Geschichte hinter der Kollektion · 02 / 03

Der Mann, zu dem Marie-Antoinette in die Fabrik kam

Manchmal erzählt eine Fabrik mehr über gesellschaftlichen Aufstieg als ein Palais. Im Jahr 1781 verlässt Marie-Antoinette die höfische Welt von Versailles und fährt nach Jouy-en-Josas. Dort, in einem Tal an der Bièvre, lässt sie sich eine Textilmanufaktur zeigen. Ihr Besitzer ist kein Angehöriger einer alten französischen Familie, kein Hoflieferant aus Tradition und kein Mann, dessen Karriere in den Salons von Versailles begonnen hätte. Christophe-Philippe Oberkampf ist der Sohn eines protestantischen Färbers aus Süddeutschland. Vierundzwanzig Jahre zuvor war er als junger Graveur nach Paris gekommen.

Nun kommt die Königin zu ihm.

Oberkampfs Lebensweg ist deshalb bemerkenswert, weil er ziemlich genau zeigt, was sich im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts zu verändern begann. Herkunft blieb wichtig, aber daneben entstand eine neue Form gesellschaftlicher Macht: technische Kompetenz, Unternehmertum und die Fähigkeit, Dinge herzustellen, die andere unbedingt besitzen wollten.

Christophe-Philippe Oberkampf wurde 1738 in Wiesenbach im damaligen Brandenburg-Ansbach geboren. Seine Familie gehörte seit Generationen zum Färberhandwerk. Sein Vater ließ sich in der Schweiz nieder und beschäftigte sich mit jenen bedruckten Baumwollstoffen, die damals in Europa eine eigentümliche Mischung aus Begeisterung und wirtschaftlicher Panik hervorriefen. Die aus Indien kommenden Stoffe waren leichter, farbiger und modischer als vieles, was europäische Produzenten anbieten konnten. Frankreich hatte ihre Einfuhr, Herstellung und zeitweise sogar das Tragen solcher Stoffe verboten.

Oberkampf lernte dieses Gewerbe nicht theoretisch. Er lernte Farben anzusetzen, Druckformen zu gravieren, Stoffe zu behandeln und Druckverfahren zu beherrschen. Mit achtzehn Jahren ging er nach Mülhausen, arbeitete dort als Graveur und kam 1758 nach Paris, wo er in der Fabrik von Cottin zunächst gravierte und später als Kolorist arbeitete. Als Frankreich 1759 das Verbot der bedruckten Baumwollstoffe aufhob, besaß der junge Einwanderer plötzlich genau jenes Wissen, das im Land knapp geworden war. Während Frankreich seine eigene Industrie geschützt hatte, waren Drucktechniken in der Schweiz, in England und anderen Teilen Europas weiterentwickelt worden. Oberkampfs vermeintlicher Nachteil – seine ausländische Herkunft – wurde zu seinem Wettbewerbsvorteil.

1760 begann er in Jouy-en-Josas mit der Produktion. Der Ort war klug gewählt. Die Bièvre lieferte Wasser, Grundstücke waren verfügbar, Paris war erreichbar und Versailles lag in unmittelbarer Nähe. Aus drei Arbeitern entstand binnen weniger Jahrzehnte eines der bedeutendsten Industrieunternehmen Frankreichs. Mehr als 30.000 Dessins sollten während der Geschichte der Manufaktur entstehen; an ihrem Höhepunkt beschäftigte sie mehr als 1.300 Menschen.

Doch Zahlen erklären Oberkampfs Erfolg nur teilweise. Entscheidend war sein Verständnis von Qualität. Er interessierte sich für Farben ebenso wie für Chemie, für Produktion ebenso wie für Zeichnung. Er beschäftigte Graveure, Zeichner und später Künstler wie Jean-Baptiste Huet. Was in Jouy entstand, sollte technisch funktionieren und zugleich schön genug sein, um aufzufallen.

Damit näherte sich die Manufaktur langsam einer Welt, die Oberkampf ursprünglich vollkommen fremd gewesen war: dem Hof.

Die Stoffe wurden bei einer aristokratischen und wohlhabenden bürgerlichen Kundschaft populär. Besonders interessant ist, dass diese Beziehung nicht nur über Modeberichte überliefert ist. Für die privaten Räume Marie-Antoinettes in Versailles sind Bestellungen von Stoffen aus der Oberkampf-Manufaktur dokumentiert. Das Garde-Meuble de la Couronne bestellte Toile de Jouy für Wandbespannungen, Vorhänge und Portieren der Königin. In den rekonstruierten Innenräumen von Versailles lässt sich heute nachvollziehen, wie selbstverständlich Stoffe aus Jouy in die höfische Wohnwelt Eingang fanden.

Der Schritt von der Kundschaft zur persönlichen Begegnung folgte 1781. Marie-Antoinette besuchte die Manufaktur in Jouy. Allein dieser Vorgang sagt viel über Oberkampfs Stellung aus. Die Königin empfing den Fabrikanten nicht nur irgendwo in Versailles. Sie machte sich selbst ein Bild von seinem Unternehmen.

Wie genau dieser Tag verlief, lässt sich heute nicht bis ins Detail rekonstruieren. Man sollte deshalb vorsichtig sein mit den hübschen Szenen, die sich ausmalen ließen: Marie-Antoinette zwischen Drucktischen, Arbeiterinnen, die Stoffbahnen ausbreiten, Oberkampf, der ihr neue Muster erklärt. Sicher ist jedoch der Besuch selbst. Und sicher ist, dass der Hof die Qualität und Gestaltung seiner Stoffe schätzte.

Zwei Jahre später folgte der nächste Schritt. 1783 verlieh Ludwig XVI. dem Unternehmen den Status einer Manufacture Royale. Es war keine Verstaatlichung und auch kein bloßes dekoratives Etikett, sondern eine Auszeichnung, die Reputation schuf. Oberkampf durfte seine Fabrik nun mit der Nähe zur Krone verbinden. 1787 erhob Ludwig XVI. ihn schließlich in den Adel und verlieh ihm den Rang eines Écuyer. Aus dem Sohn einer lutherischen Färberfamilie war ein französischer Edelmann geworden.

Die Pointe dieser Karriere liegt darin, dass Oberkampf nie zum Höfling wurde. Sein gesellschaftlicher Aufstieg beruhte nicht darauf, dass er die Sprache Versailles' besser beherrschte als andere. Er produzierte etwas, das Versailles haben wollte.

Genau deshalb ist sein Verhältnis zum Hof so interessant. Die Nähe zu Versailles half dem Unternehmen, keine Frage. Jouy lag nur wenige Kilometer entfernt, die aristokratische Kundschaft war erreichbar, und der Name Versailles besaß schon damals einen enormen symbolischen Wert. Doch diese Nähe allein hätte nicht genügt. Entscheidend war, dass Oberkampf eine technisch und gestalterisch überlegene Ware anbieten konnte.

Man könnte die Geschichte deshalb auch umdrehen. Oberkampf suchte den Zugang zum Hof. Aber irgendwann war der Punkt erreicht, an dem der Hof Zugang zu Oberkampf suchte.

Das gilt sogar über Marie-Antoinette hinaus. Die Revolution überstand die Manufaktur, und auch unter Napoleon blieb Oberkampf eine herausragende Figur. 1806 kam Napoleon persönlich mit Joséphine nach Jouy und verlieh ihm die Ehrenlegion. 1810 folgte ein weiterer Besuch mit Marie-Louise. Die politischen Systeme wechselten, der Wert der Manufaktur blieb.

Vielleicht ist das die modernste Seite dieser Geschichte. Oberkampf baute keine Marke auf, indem er eine höfische Welt imitierte. Er machte sein eigenes Können so begehrenswert, dass Königinnen und Kaiser sich dafür interessierten.

Und wenn Caran d’Ache heute mit der Toile-de-Jouy-Geneva-Edition dieses alte Muster aufgreift, steckt darin deshalb mehr Geschichte, als man auf den ersten Blick vermutet. Toile de Jouy erzählt nicht nur von Schäfern, Liebespaaren und französischer Eleganz. Sie erzählt auch von einem Unternehmer, der aus Technik Gestaltung machte, aus Gestaltung Begehren und aus einer Fabrik in einem kleinen Ort bei Versailles einen Namen, den mehr als zweihundert Jahre später noch jeder kennt.

Caran d’Ache · Die Geschichte hinter der Kollektion · 03 / 03

Die Fabrik von Jouy: Wie aus Stoff Industrie wurde

Wer heute an Toile de Jouy denkt, sieht zunächst eine romantische Welt. Schäferinnen unter Bäumen, Liebespaare, Pferde, Gärten und antike Ruinen. Weniger romantisch war der Ort, an dem diese Bilder entstanden. Die Manufaktur von Christophe-Philippe Oberkampf in Jouy-en-Josas gehörte am Ende des 18. Jahrhunderts zu den größten Produktionsbetrieben Frankreichs. Hinter der vermeintlichen Idylle stand ein Unternehmen, das Gestaltung, Technik, internationalen Handel und arbeitsteilige Produktion in bemerkenswert moderner Weise miteinander verband.

Oberkampf gründete seine Druckerei 1760. Baumwolle war zu diesem Zeitpunkt längst zu einem begehrten europäischen Konsumgut geworden. Die fein bedruckten Stoffe aus Indien hatten einen Markt geschaffen, gegen den sich französische Seiden- und Wollhersteller jahrelang mit politischen Verboten gewehrt hatten. Doch das Verlangen nach den leichten, farbigen Geweben ließ sich nicht dauerhaft regulieren. Als die Beschränkungen fielen, entstand ein neuer Industriezweig.

Oberkampf war dabei weniger romantischer Kunsthandwerker als Unternehmer. Er kaufte hochwertige Baumwollstoffe, beschäftigte Zeichner, Graveure, Drucker, Färber und zahlreiche Hilfskräfte und beobachtete aufmerksam, was technisch anderswo geschah. 1773 reiste er nach England, wo die Kattundruckerei weiter entwickelt war als in Frankreich, studierte Produktionsverfahren und kaufte große Mengen indischer Baumwolle. Innovation bedeutete schon damals: sehen, lernen, importieren, verbessern.

Anfangs wurden die Stoffe mit geschnitzten Holzstöcken bedruckt. Für jede Farbe und jeden Teil des Musters war ein eigener Druckstock notwendig. Das funktionierte hervorragend bei Blumen und Ornamenten, begrenzte aber die Feinheit figürlicher Darstellungen. Der Durchbruch kam mit der Kupferplatte. Eine Zeichnung konnte nun mit großer Präzision gestochen und auf Stoff übertragen werden. Schraffuren, Gesichter, Architektur und Landschaft ließen sich plötzlich in einer Qualität wiedergeben, die eher an Druckgrafik als an Textildekor erinnerte.

Aus technischer Beschränkung entstand ein Stil. Weil der Kupferplattendruck im Wesentlichen einfarbig arbeitete, erschienen die Szenen in Rot, Blau, Violett oder Schwarz auf hellem Grund. Was heute als ästhetisches Markenzeichen der Toile de Jouy gilt, war also zugleich Ergebnis der Produktionstechnik.

Wie diese Produktion aussah, wissen wir ungewöhnlich genau. 1783 entstand ein Stoff mit dem Titel „Les Travaux de la Manufacture“. In vierzehn Szenen zeigt er die Arbeit in Jouy: Zeichner entwerfen Muster, Farben werden angerührt, Arbeiter bedienen Drucktische, Stoffbahnen werden gewaschen, behandelt und schließlich im Freien zum Trocknen ausgebreitet. Es ist vermutlich eines der frühesten industriellen Unternehmensporträts überhaupt – halb Dokumentation, halb Werbung.

Natürlich zeigt der Stoff eine idealisierte Fabrik. Die Arbeit erscheint ruhig, geordnet und beinahe heiter. Tatsächlich beschäftigte die Manufaktur zeitweise mehr als 1.300 Menschen. Sie war ein komplexer Betrieb mit klarer Arbeitsteilung, Qualitätskontrolle und erheblichem Produktionsdruck. Frauen bildeten einen beträchtlichen Teil der Belegschaft und wurden deutlich schlechter bezahlt als Männer. Hinter den eleganten Stoffen stand jene soziale Realität, die zur frühen Industrialisierung Europas gehörte.

Gerade deshalb ist Jouy so interessant. Die Manufaktur verbindet zwei Epochen. Einerseits steht sie noch in der Welt des Hofes, des Dekors und der handwerklichen Kunstfertigkeit. Andererseits weist sie bereits auf das 19. Jahrhundert voraus: internationale Rohstoffströme, technische Innovation, Markenbildung, arbeitsteilige Fertigung und eine Produktion, die weit über den lokalen Markt hinausging.

Selbst die Motive folgten einer Logik, die erstaunlich gegenwärtig wirkt. Oberkampf produzierte nicht jahrelang dasselbe Muster, sondern reagierte auf gesellschaftliche Ereignisse. Ballonfahrten, die amerikanische Unabhängigkeit, Literatur oder die Ägyptenbegeisterung konnten binnen kurzer Zeit Teil einer neuen Kollektion werden. Man könnte sagen: Die Manufaktur übersetzte Zeitgeist in Produkt.

Genau deshalb wirkt die neue Toile-de-Jouy-Geneva-Edition von Caran d’Ache weniger wie ein nostalgisches Zitat, als man zunächst vermuten könnte. Denn auch Caran d’Ache tut, im Kern, etwas sehr Ähnliches. Ein historisch vertrautes Gestaltungssystem wird aufgenommen, lokalisiert und auf ein modernes Produkt übertragen. Aus den Geschichten auf Baumwolle werden Geschichten auf Aluminium, Lack und Metall.

Zwischen Oberkampfs Manufaktur in Jouy und einem 849 aus Genf liegen mehr als zweihundert Jahre. Der Gedanke dahinter ist erstaunlich beständig: Ein guter Gebrauchsgegenstand erfüllt seine Funktion. Ein besonderer erzählt darüber hinaus, woher er kommt.