Paul Smith und Caran D´Ache
Die Verbindung begann 2015, zum hundertsten Geburtstag von Caran d’Ache. Smith nahm sich damals den 849 vor, jenen sechseckigen Kugelschreiber, der seit 1969 zur kleinen Grammatik des Schweizer Alltagsdesigns gehört, und gab ihm zehn Pastellfarben. Das war kein Umsturz, eher eine Korrektur der Stimmung. Der Stift blieb, was er war: Aluminiumkörper, Druckmechanik, Gebrauchsobjekt. Nur sah er plötzlich so aus, als habe jemand die Nüchternheit ein wenig gelockert.
KOLLEKTION 849 PAUL SMITH
Paul Smith liebt den 849, der ihn in seinem Alltag begleitet. Mit Caran d’Ache teilt er darüber hinaus ein unaufhörliches Streben nach Exzellenz und eine Leidenschaft für Farben, die in seiner DNA fest verankert ist. Der britische Stilist kombiniert die Farbtöne meisterhaft, wobei er eine gelungene Kombination aus Tradition und modernem Design schafft und so seinen Lieblingsstift zu einer Modeikone macht.
Die zehn Stifte 849 Paul Smith zeigen sich in einmaligen, raffinierten Farben, die an die Farbtöne der letzten Kollektionen des Modeschöpfers erinnern. Der 849 erscheint in limitierter Edition, und jeder Stift trägt die Unterschrift des berühmten Künstlers und wird in einem Slim Pack mit berühmtem Streifenmotiv verkauft.

Hergestellt in der Schweiz, der althergebrachten Tradition des Hauses Caran d’Ache folgend, sind alle Kugelschreiber der Kollektion 849 mit der legendären Goliath Patrone ausgestattet, die Ihnen außergewöhnlichen Schreibkomfort garantiert.

Dass daraus eine Serie wurde, ist kein Zufall. Paul Smith war nach Angaben von Caran d’Ache selbst seit Jahren Nutzer des 849 und anderer Schreibgeräte des Hauses. Die Zusammenarbeit musste also nicht erst eine Geschichte erfinden. Sie hatte bereits eine. Smith, der aus der britischen Schneidertradition kommt und doch nie ganz bei ihr stehen bleibt, fand in Caran d’Ache ein Gegenüber, das ähnlich denkt: Form zuerst, Effekt danach.
Bei der vierten Edition von 2023 wurde diese Logik technischer. Sechs zweifarbige 849-Kugelschreiber griffen Smiths Gespür für unerwartete Farbkombinationen auf. Caran d’Ache beschrieb die Farben als Anspielung auf Anzugfutter und Hemdsteppnähte. Das ist ein schöner Hinweis, weil er zeigt, woher Smiths Gestaltung kommt. Farbe sitzt bei ihm selten frontal. Sie erscheint am Rand, innen, an der Naht, dort, wo man sie nicht zuerst erwartet.
Die neue Kollektion geht diesen Weg weiter. Im Mittelpunkt steht wieder der 849: ein sechseckiger Körper, Aluminium, klare Mechanik, kein dekorativer Überschuss. Smith greift dieses Objekt nicht an. Er verändert weder seine Logik noch seine Funktion. Er setzt Linien darauf. Das klingt wenig, ist aber der entscheidende Eingriff. Die Streifen folgen der Form, sie überdecken sie nicht. Farbe wird damit nicht zum Schmuck, sondern zu einer zweiten Ordnung.
Der Händler und der Stift
Mode liebt den großen Auftritt. Paul Smith hat ihn nie gebraucht. Wer seine Arbeit verstehen will, sollte nicht auf den Laufsteg schauen, sondern auf den Ladentisch. Sein erstes Geschäft in Nottingham, 1970 eröffnet, war klein, kaum größer als ein Zimmer, und zunächst nur an wenigen Tagen geöffnet. Dort lernte Smith nicht, wie man Kollektionen inszeniert, sondern wie man Dinge verkauft, die jemand wirklich benutzen will. Diese Perspektive hat er nie abgelegt. Sie erklärt mehr von seinem Erfolg als jede Designformel.
Smith ist deshalb weniger Modeschöpfer im klassischen Sinn als Händler mit gestalterischem Instinkt. Er beobachtet, was funktioniert, und erlaubt sich dann eine Abweichung. Seine berühmte Formel „classic with a twist“ wirkt harmlos, ist aber eine strenge Disziplin. Ein Anzug bleibt ein Anzug. Doch irgendwo sitzt eine Farbe, die nicht erwartet wird. Ein Detail, das die Ordnung nicht zerstört, sondern sie sichtbar macht.
Diese Haltung verdankt sich nicht zuletzt einer frühen Konstellation. Seine Frau Pauline Denyer, ausgebildet am Royal College of Art, brachte die gestalterische Ausbildung ein, die Smith selbst nicht hatte. Er brachte den Blick für das Geschäft. Aus dieser Verbindung entstand ein System, das bis heute trägt: Kontrolle in der Form, Freiheit im Detail.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Zusammenarbeit mit Caran d’Ache weniger wie eine Kooperation als wie eine logische Fortsetzung. Smith kannte den 849 lange, bevor er ihn gestaltete. Ein Stift, der einfach funktioniert, ohne Pathos, ohne modische Ambition, ist für ihn kein Fremdkörper, sondern ein vertrautes Objekt. Als Caran d’Ache 2015 sein hundertjähriges Bestehen feierte, reagierte Smith nicht mit einer großen Idee, sondern mit zehn Farben. Der 849 blieb unverändert. Nur seine Stimmung verschob sich.
Dass daraus eine Serie wurde, sagt einiges über die Verwandtschaft der beiden Systeme. Caran d’Ache baut seit Jahrzehnten auf industrielle Verlässlichkeit. Der 849, seit 1969 nahezu unverändert, ist dafür ein Beispiel: Aluminiumkörper, klare Mechanik, keine Geste, die über die Funktion hinausweist. Smith greift diese Logik nicht an. Er legt ein zweites System darüber. Linien, Streifen, Farben, die der Form folgen.
Die späteren Editionen haben diese Methode präzisiert. 2023 erschienen zweifarbige Varianten, inspiriert von Anzugfuttern und Nähten. Die aktuelle Kollektion treibt das weiter, ohne die Grenze zu überschreiten. Schwarz trifft auf Farbe, matte Flächen auf präzise gesetzte Linien. Der Stift bleibt, was er ist. Aber er wirkt nicht mehr neutral.
Darin liegt der eigentliche Punkt dieser Zusammenarbeit. Sie versucht nicht, ein neues Produkt zu erfinden. Sie zeigt, wie weit sich ein bestehendes Objekt tragen lässt, wenn man es ernst nimmt. Der 849 schreibt nicht besser als zuvor. Aber er erzählt mehr darüber, wer ihn benutzt.
Das ist kein großes Versprechen. Eher eine kleine Verschiebung. Doch gerade im Alltag sind es oft diese Verschiebungen, die zählen. Ein Gegenstand, der täglich in der Hand liegt, darf mehr sein als bloße Funktion. Er darf Haltung zeigen, ohne sich aufzudrängen.
Paul Smith hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Kein Spektakel, keine permanente Neuerfindung. Sondern die geduldige Arbeit an Dingen, die bleiben dürfen. Vielleicht erklärt gerade das, warum seine Streifen bis heute wirken. Sie wollen nichts beweisen. Sie sitzen einfach da, wo sie hingehören.

Die aktuelle Edition arbeitet mit satiniertem Schwarz, rohem Silber, farbigen Kanten und verborgenen Details. Sie macht aus dem Stift kein anderes Produkt. Sie verändert nur die Art, wie man ihn sieht. Genau darin liegt die Stärke dieser Zusammenarbeit. Der 849 muss nicht besser schreiben, um interessant zu sein. Er muss nur zeigen, dass ein Gebrauchsgegenstand auch Persönlichkeit haben kann.
Auch die weiteren Stücke der Kollektion – Bleistifte, Ecridor-Set, Lederetui und Notizbuch – wirken nicht wie angehängtes Zubehör. Sie übertragen dieselbe Idee auf Metall, Holz, Leder und Papier. Entscheidend ist nicht die Breite des Sortiments, sondern die Disziplin des Motivs. Paul Smith darf Farbe einsetzen; Caran d’Ache sorgt dafür, dass sie nicht ausbricht.
Man bezahlt hier nicht für eine neue Schreibtechnik. Man bezahlt für eine Verschiebung im Ausdruck. Für ein vertrautes Werkzeug, das nicht mehr anonym wirkt. Für einen Stift, der schreibt – und zugleich erkennen lässt, dass er ausgewählt wurde.
Das ist ein kleiner Unterschied. Aber bei Dingen, die täglich in der Hand liegen, sind kleine Unterschiede oft die entscheidenden.

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