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Die Paul Smith Kolletion 

Nach rund drei Jahren Wartezeit erscheint die fünfte gemeinsame Edition von Paul Smith und Caran d’Ache. Sie verändert den 849 nicht technisch, sondern visuell. Gerade darin liegt ihr Reiz: Ein Werkzeug bleibt ein Werkzeug – und bekommt dennoch Haltung.

Wer Paul Smith folgt, braucht Geduld. Die vierte Edition seiner Zusammenarbeit mit Caran d’Ache erschien 2023; nun ist die fünfte da. Drei Jahre sind in der Mode eine halbe Ewigkeit, bei Schreibgeräten eher ein angemessener Zeitraum. Ein guter Stift altert schließlich nicht im Rhythmus der Saison. Er liegt, schreibt, verschwindet in der Tasche und taucht wieder auf. Das ist seine Würde.

Die Kooperation von Paul Smith und Caran d’Ache gehört nicht zu jenen Verbindungen, bei denen zwei Marken krampfhaft beweisen müssen, dass sie zusammenpassen. Hier bestätigt sich eher, was ohnehin nahe lag. Auf der einen Seite britische Mode, die Klassik nicht abschafft, sondern mit Farbe und kleinen Abweichungen aus der Reserve lockt. Auf der anderen Seite ein Schweizer Unternehmen, das Schreibgeräte baut, deren Hauptversprechen seit jeher Verlässlichkeit ist. Paul Smith beschreibt seinen Ansatz oft schlicht: „I like to take something classic and give it a twist.“ Genau das passiert auch hier. Das Produkt bleibt unverändert, aber seine Wirkung verschiebt sich.

Im Mittelpunkt steht der 849. Ein sechseckiger Körper, Aluminium, klare Mechanik, kein dekorativer Überschuss. Paul Smith greift dieses Objekt nicht an. Er verändert weder seine Logik noch seine Funktion. Er setzt Linien darauf. Das klingt wenig, ist aber der entscheidende Eingriff. Die Streifen folgen der Form, sie überdecken sie nicht. Farbe wird damit nicht zum Schmuck, sondern zu einer zweiten Ordnung.

Die neue Kollektion arbeitet mit satiniertem Schwarz, rohem Silber, farbigen Kanten und verborgenen Details. Sie macht aus dem Stift kein anderes Produkt. Sie verändert nur die Art, wie man ihn sieht. Genau darin liegt die Stärke dieser Zusammenarbeit. Der 849 muss nicht besser schreiben, um interessant zu sein. Er muss nur zeigen, dass ein Gebrauchsgegenstand auch Persönlichkeit haben kann.

Auch die weiteren Stücke der Kollektion – Bleistifte, Ecridor-Set, Lederetui und Notizbuch – wirken nicht wie angehängtes Zubehör. Sie übertragen dieselbe Idee auf Metall, Holz, Leder und Papier. Entscheidend ist nicht die Breite des Sortiments, sondern die Disziplin des Motivs. Paul Smith darf Farbe einsetzen; Caran d’Ache sorgt dafür, dass sie nicht ausbricht.

Die Preisfrage bleibt, wie bei jeder solchen Kooperation, legitim. Man bezahlt hier nicht für eine neue Schreibtechnik. Man bezahlt für eine Verschiebung im Ausdruck. Für ein vertrautes Werkzeug, das nicht mehr anonym wirkt. Für einen Stift, der schreibt – und zugleich erkennen lässt, dass er ausgewählt wurde.

Das ist ein kleiner Unterschied. Aber bei Dingen, die täglich in der Hand liegen, sind kleine Unterschiede oft die entscheidenden.