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Der fast vergessene Plakatkünstler hinter Pelikans neuer Art Collection

Über Georg Tippel ist heute erstaunlich wenig bekannt. Gerade das macht die neue Pelikan-Edition interessant. Denn Pelikan greift nicht auf einen berühmten Namen der Kunstgeschichte zurück, sondern auf einen Gestalter aus jener Übergangszeit, in der moderne Werbung überhaupt erst entstand.

Tippel gehörte zur Generation der frühen Plakatkünstler um 1900, als Unternehmen begannen zu verstehen, dass Marken nicht nur Produkte verkaufen, sondern Bilder, Gefühle und Symbole erzeugen. Das Plakat „Grundfarben“ entstand 1899 im Umfeld von Pelikans erstem internationalen Plakatwettbewerb — zu einer Zeit also, in der Werbung sich gerade von reiner Produktinformation zur visuellen Markenkommunikation entwickelte.

Und genau das macht das Motiv bis heute spannend.

Was zeigt das Plakat eigentlich?

Im Zentrum steht der Pelikan als Elternvogel, der seine Jungen versorgt. Das Motiv wirkt zunächst fast märchenhaft oder dekorativ. Tatsächlich steckt dahinter jedoch eine jahrhundertealte Symbolik.

Der Pelikan galt in der europäischen Bildtradition als Sinnbild für Opferbereitschaft, Fürsorge und Verantwortung. Nach einer alten Legende nährt der Vogel seine Jungen im Notfall mit dem eigenen Blut. Diese Vorstellung tauchte seit dem Mittelalter in religiöser Kunst, Heraldik und später auch in der Markenwelt auf.

Pelikan machte daraus seine Unternehmenssymbolik.

Das Plakat sagt daher nicht einfach: „Hier gibt es gute Tinte.“ Es vermittelt etwas anderes: Vertrauen. Verlässlichkeit. Versorgung. Kontinuität. Der Pelikan wird zum Bild einer Marke, die sich kümmert und Bestand haben will.

Für das Jahr 1899 war das bemerkenswert modern.

Warum heißt das Motiv „Grundfarben“?

Der Titel verweist auf Pelikans Kerngeschäft: Farben, Tinten und Pigmente. Ende des 19. Jahrhunderts war Pelikan längst weit mehr als ein Schreibwarenhersteller. Das Unternehmen produzierte Farben, chemische Produkte und industrielle Materialien.

„Grundfarben“ kann man daher auf zwei Ebenen lesen:

Einerseits ganz praktisch — als Hinweis auf die elementaren Farben und Materialien der Produktion.

Andererseits symbolisch: Grundfarben als Ursprung aller Gestaltung, aller Schrift und aller Kommunikation. Das Plakat verbindet damit Technik, Kunst und Markenidentität.

Interessant ist, dass Tippel nicht nüchtern industrielle Präzision zeigt. Keine Fabrik. Keine Maschinen. Keine Produktdemonstration. Stattdessen entsteht eine fast poetische Bildsprache. Genau darin zeigt sich der Wandel der damaligen Werbekunst.

Warum wirkt das Motiv heute wieder aktuell?

Vielleicht, weil das Plakat etwas zeigt, das viele moderne Marken verloren haben: eine klare symbolische Haltung.

Heute dominieren oft kurzfristige Aufmerksamkeit, aggressive Kampagnen und permanente Produktwechsel. Das Tippel-Motiv arbeitet völlig anders. Es erzählt langsam. Es erzeugt Vertrauen statt Lautstärke.

Deshalb passt es erstaunlich gut in die Gegenwart hochwertiger Schreibgeräte. Wer heute einen Füllhalter wie den Souverän M600 Pelikan Art Collection 3 Georg Tippel kauft, sucht meist nicht nur Funktion. Gesucht wird ein Objekt mit Geschichte, Haltung und kultureller Tiefe.

Genau das transportiert „Grundfarben“ bis heute: Schreiben nicht als Konsum, sondern als kulturelle Handlung.