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Matisse in Rot, Gold und Lack

Wer lange mit hochwertigen Schreibgeräten zu tun hat, sieht bei einer Edition wie dieser zuerst nicht den großen Namen, sondern den Gegenstand. Proportionen. Oberflächen. Übergänge. Die Frage, ob die Teile nur zusammenkommen oder ob sie zusammengehören. Genau deshalb ist die Montblanc Masters of Art Homage to Henri Matisse Limited Edition 888 interessant.

Die Edition ist auf 888 Exemplare limitiert, misst 148,2 mal 20 Millimeter und wiegt 117,3 Gramm. Schon damit ist die Richtung klar. Dieser Füllfederhalter sucht keine Zurückhaltung. Er ist groß, präsent und sichtbar auf Wirkung hin gebaut. Dazu kommen roter und blauer Lack, schwarzer Onyx, Perlmutt und eine handgefertigte Feder aus massivem 750er Gold. Solche Materialien sprechen nicht für Nebensächlichkeit. Sie geben dem Stück Dichte.

Montblanc hat die Edition 888 an „La Blouse roumaine“ von 1940 angelehnt. Das ist gut gewählt. In diesem Bild verdichten sich bei Matisse Farbe, Ornament und textile Struktur auf eine Weise, die sofort trägt. Wer sein Werk nur über große Farbflächen liest, sieht ohnehin nur die halbe Sache. Stoffe, Muster, dekorative Rhythmen und die sichere Führung der Linie gehören ebenso dazu. Genau dort setzt dieser Füllfederhalter an.

Die rot-blauen Lackflächen nehmen die Bildwelt von „La Blouse roumaine“ auf, ohne sie einfach zu kopieren. Die Struktur von Kappe und oberem Schaftteil erinnert an die Oberfläche einer Leinwand. Auf Schaft und Konus erscheinen dekorative Elemente, die an die Stickmotive der rumänischen Bluse anknüpfen. Das Entscheidende liegt im Eindruck, den das hinterlässt: Hier wurde Farbe nicht bloß aufgetragen. Hier wurde Ornament in Material übersetzt.

Das merkt man auch an den weiteren Details. Die Feder aus massivem 750er Gold trägt ein Motiv nach „Large Face (Mask)“ von 1952 und führt damit Matisses zeichnerische Seite ein. Die weich gerundete, beinahe skulpturale Kappe nimmt etwas von der Formruhe seiner plastischen Arbeiten auf. Der schwarz lackierte Clip verweist mit seiner organischen Bewegung auf „The Sheaf“. Der Onyx am Konus und rund um das Perlmutt-Emblem in der Kappenspitze, gefasst in Gold, setzt einen dunklen, festen Akzent gegen die farbige Oberfläche. Das ist reich. Aber nicht beliebig.

Gerade bei solchen Editionen kommt es darauf an, ob der Entwurf durchgehalten wird. Das lässt sich nicht an einem Einzelmotiv entscheiden. Es zeigt sich im Zusammenhang. „La Blouse roumaine“ bringt Farbe und Ornament. „Large Face (Mask)“ bringt die Linie. „The Sheaf“ prägt den Clip. Die Kappe gibt dem Stück Volumen und Ruhe. So entsteht ein Füllfederhalter, der seinen kunsthistorischen Bezug nicht vor sich herträgt, sondern in Form übersetzt.

Aus Händlersicht ist das der entscheidende Punkt. Gute Editionen erkennt man selten am ersten Effekt. Man erkennt sie daran, dass die Details beim zweiten Blick noch tragen. Bei der Matisse 888 ist das gut gelöst. Die Lackflächen haben Spannung. Der Clip ist eigenständig. Der Konus arbeitet nicht bloß als Abschluss, sondern als Teil des Themas. Die Kappe wirkt nicht dekorativ gerundet, sondern bewusst modelliert. Solche Dinge sieht man mit der Zeit sofort.

Hinzu kommt die Materialwirkung. Diese Edition setzt auf Kontrast, auf Glanz, auf Rundung, auf ornamentale Dichte. Das passt zu Matisse. Seine Kunst lebte von Farbe, von Rhythmus, von freier Form und von der Fähigkeit, Fülle in Ordnung zu bringen. Ein Schreibgerät, das sich auf ihn bezieht, darf deshalb auch Präsenz haben. Es muss nicht schüchtern sein.

Für Sammler und kunstinteressierte Liebhaber liegt der Reiz solcher Stücke oft im Wiedererkennen. Man sieht die roten und blauen Lackflächen und denkt an „La Blouse roumaine“. Man schaut auf die Feder und entdeckt den Bezug zur Zeichnung. Man erfasst den Clip nicht sofort, sondern erst im zweiten Blick. Genau so wächst Qualität. Ein gutes Sammlerstück gibt nicht alles auf einmal preis.

Die Montblanc Masters of Art Homage to Henri Matisse Limited Edition 888 ist deshalb aus unserer Sicht eine sehr überzeugende Edition dieser Reihe. Sie verbindet Material, Form und kunsthistorischen Bezug mit einer Sorgfalt, die man bei hochwertigen Sammlerstücken sucht. Für Liebhaber feiner Schreibgeräte ist das wesentlich. Für Sammler ebenso. Und für alle, die wissen, dass echte Qualität im Detail beginnt, ohnehin