Georg Tippel – der fast vergessene Künstler hinter Pelikans neuer Art Collection
Georg Tippel – der fast vergessene Künstler hinter Pelikans neuer Art Collection
Wenn heute über historische Werbekunst gesprochen wird, fallen meist Namen wie Alphonse Mucha, Henri de Toulouse-Lautrec oder später Kurt Schwitters. Georg Tippel gehört nicht zu diesem Kanon der großen Kunstgeschichte. Gerade deshalb ist Pelikans Entscheidung interessant, seine Arbeit mehr als 125 Jahre später erneut sichtbar zu machen.
Tippel wurde vermutlich 1875 in Stettin geboren und starb wohl 1917 in Berlin. Er studierte an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin, arbeitete als Grafiker, Lithograf und Lehrer und bewegte sich in jener neuen Welt der angewandten Kunst, die um 1900 entstand. Künstler begannen damals nicht mehr nur Gemälde für Salons oder Sammler zu schaffen. Sie entwarfen Plakate, Verpackungen, Prospekte und Markenbilder. Werbung wurde zur eigenen gestalterischen Disziplin.
Genau dort liegt die eigentliche Bedeutung Tippels.
Er war kein klassischer Maler des Museumsbetriebs, sondern ein Künstler der visuellen Moderne. Seine Arbeiten bewegten sich zwischen Jugendstil, früher Plakatkunst und dekorativer Grafik. Bekannt sind heute vor allem einige Farblithografien sowie sein berühmtes Pelikan-Plakat „Grundfarben“ von 1899.
Hat Pelikan Georg Tippel damals beauftragt?
Nicht direkt im heutigen Sinne.
Das Motiv entstand im Rahmen von Pelikans erstem internationalen Plakatwettbewerb 1898/99. Hinter diesem Wettbewerb stand der damalige Pelikan-Unternehmer Fritz Beindorff, der früh erkannte, dass moderne Marken mehr brauchten als reine Produktwerbung. Gesucht wurden künstlerische Entwürfe, die Pelikan eine visuelle Identität geben konnten.
Tippels Entwurf gehörte zu den Arbeiten dieses Wettbewerbs und wurde später Teil der frühen Bildwelt der Marke. Man kann deshalb sagen: Pelikan initiierte den Wettbewerb gezielt, Tippel entwickelte daraufhin sein Motiv für die Marke. Es war also keine freie Kunst ohne Auftrag, aber auch kein klassischer Direktauftrag, wie man ihn heute einer Werbeagentur erteilen würde.
Gerade das macht das Plakat historisch spannend. Um 1900 begann Werbung erstmals, sich von bloßer Produktinformation zu lösen. Unternehmen wollten nicht mehr nur Tinte verkaufen, sondern Bilder, Werte und Vertrauen erzeugen.
Was soll „Grundfarben“ eigentlich sagen?
Auf den ersten Blick zeigt das Plakat lediglich einen Pelikan mit seinen Jungen. Dahinter steckt jedoch eine alte symbolische Tradition.
Der Pelikan galt seit dem Mittelalter als Sinnbild von Fürsorge und Opferbereitschaft. Nach einer Legende nährt der Vogel seine Jungen im Notfall mit dem eigenen Blut. Diese Vorstellung wurde über Jahrhunderte in religiöser Kunst und Heraldik verwendet.
Pelikan übernahm dieses Motiv als Markensymbol. Das Plakat vermittelt deshalb nicht nur ein Produktversprechen. Es erzählt von Verantwortung, Verlässlichkeit und Kontinuität. Der Pelikan wird zum Bild einer Marke, die versorgt, schützt und Bestand haben will.
Der Titel „Grundfarben“ verweist zugleich auf Pelikans damaliges Kerngeschäft mit Farben, Tinten und chemischen Produkten. Interessant ist dabei, dass Tippel keine Fabrik, keine Maschinen und keine Produktdemonstration zeigt. Stattdessen arbeitet er mit Symbolik und Atmosphäre. Genau darin lag die Modernität seiner Arbeit.
Warum das Motiv heute wieder funktioniert
Die neue Souverän M600 Pelikan Art Collection 3 Georg Tippel Edition zeigt, wie zeitlos diese Bildsprache geblieben ist. Pelikan übernimmt nicht einfach das historische Plakat, sondern abstrahiert die Wolkenformationen des Himmels zu einem dynamischen Muster auf dem Schaft des Füllhalters.
Dadurch entsteht etwas Bemerkenswertes: kein nostalgisches Sammlerstück, sondern ein modernes Schreibgerät mit historischem Unterton.
Vielleicht erklärt genau das die Faszination solcher Editionen im Jahr 2026. Während digitale Produkte immer schneller altern, gewinnen Objekte mit kultureller Tiefe wieder an Bedeutung. Tippels Motiv erzählt deshalb heute weniger von Werbung als von Haltung — von Dingen, die bleiben sollen.